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Verschiedenes

Corona. Eine Chance?

Seltsam surreal ist das Leben in den letzten Tagen geworden.
99 bestätigte Fälle einer Corona Infizierung im Westerwald Kreis am 23.03.2020. Die meisten meiner Kunden kommen aus dem Westerwald. Manche auch aus anderen Regionen quer durch Deutschland verteilt. Sie alle sind erheblich betroffen von der Pandemie. Infiziert ist bisher niemand in meinem direkten Umfeld, aber Geschäfte mussten schließen, die Arbeit ist erheblich erschwert und auch ich spüre, wie Aufträge ausbleiben und alles wie in Zeitlupe läuft.

Ich sitze hier in der Mitte unserer Kreisstadt an einer sonst sehr lebhaften Geschäftsstraße. Lachen und Lärmen bis tief in die Nacht sind hier normal. Doch jetzt ist nichts mehr normal. Eine gespenstische Stille liegt bedrückend über den Straßen und der klare, blaue Himmel wirkt beinah zynisch.

Nein, ich will nicht klagen. Denn ich glaube, dass bei allen Problemen, die die Menschen momentan in ihrem Alltag zu bewältigen haben, gibt es auch so etwas wie einen wertvollen Kern, den wir sehen können.

Wir müssen kreativ werden, aufeinander und auf uns selbst achten. Wir können das. Ich bin sicher, Corona ist auch eine Chance.

quote

Wie haben sie Dich Baum verschnitten,

Wie stehst Du kahl und sonderbar!

Wie hast Du hundertmal gelitten,

Bis alles Dir Trotz und Wille war!

Ich bin wie Du.

Mit dem verschnittnen

gequälten Leben breche ich nicht

und recke täglich aus durchlittnen

Roheiten neu die Stirn ins Licht.

Was in mir weich und zart gewesen,

Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,

Doch unzerstörbar ist mein Wesen,

Ich bin zufrieden, bin versöhnt.

Geduldig neue Blätter treib ich

aus Ästen hundertmal zerspellt,

und allem Weh zum Trotz bleib ich

Verliebt in die verrrückte Welt

H

Hermann Hesse
quote

Wir waren Freunde und sind uns fremd geworden. Aber das ist recht so und wir wollen’s uns nicht verhehlen und verdunkeln, – als ob wir uns dessen zu schämen hätten. Wir sind zwei Schiffe, deren jedes sein Ziel und seine Bahn hat; wir können uns wohl kreuzen und ein Fest miteinander feiern, wie wir es getan haben, – und dann lagen die braven Schiffe so ruhig in Einem Hafen und in Einer Sonne, dass es scheinen mochte, sie seien schon am Ziele und hätten Ein Ziel gehabt.

Aber dann trieb uns die allmächtige Gewalt unserer Aufgabe wieder auseinander, in verschiedene Meere und Sonnenstriche und vielleicht sehen wir uns nie wieder, – vielleicht auch sehen wir uns wohl, aber erkennen uns nicht wieder: die verschiedenen Meere und Sonnen haben uns verändert! Dass wir uns fremd werden müssen, ist das Gesetz über uns: eben dadurch sollen wir uns auch ehrwürdiger werden! Eben dadurch soll der Gedanke an unsere ehemalige Freundschaft heiliger werden! Es gibt wahrscheinlich eine ungeheure unsichtbare Kurve und Sternenbahn, in der unsere so verschiedenen Strassen und Ziele als kleine Wegstrecken einbegriffen sein mögen, – erheben wir uns zu diesem Gedanken!

Aber unser Leben ist zu kurz und unsere Sehkraft zu gering, als dass wir mehr als Freunde im Sinne jener erhabenen Möglichkeit sein könnten. – Und so wollen wir an unsere Sternen-Freundschaft glauben, selbst wenn wir einander Erden-Feinde sein müssten.

Friedrich Nietzsche

Sternen-Freundschaft